Unser Kinoprogramm

Tommy Tom und der verschwundene Teddybär

 

Kinderfilm

 

Regie: Joost van den Bosch

Land: Niederlande 2025

Länge: 60 Min.

FSK: 3 Jahre

 

Tommy Toms größter Schatz ist sein Teddybär. Doch eines Abends, während er schläft verschwindet sein kleiner Gefährte. Gemeinsam mit seiner Freundin Cat Mouse macht sich der orangefarbene Kater auf die Suche.
Zuerst im Haus, dann im Garten, schließlich hinaus in die unbekannte weite Welt. Unterwegs treffen die beiden neue Freunde und erleben kleine Abenteuer, bis sie den verlorenen Teddybären endlich wiederfinden. Die Filmemacher entschieden sich bewusst gegen 3D-Animation und setzten stattdessen auf den vertrauten Stil der Bücher: handgezeichnete Linien, Tusche und Aquarellfarben. Jede Bewegung wurde sorgfältig animiert – inspiriert von unzähligen Katzenvideos. Selbst Details wie Niesen, Strecken oder Gähnen wurden minutiös beobachtet und übertragen: Für die Tonspur kamen echte Katzengeräusche zum Einsatz. So entsteht eine unverwechselbare Nähe zur kindlichen Erfahrungswelt, in der sich die Kinder ausdrücklich bewegen, laut reagieren, klatschen oder singen dürfen.


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Wise Women – Fünf Hebammen, fünf Kulturen

Dokumentation


Regie: Nicole Scherg

Land: Österreich 2025

Länge: 88 Min.

FSK: 12 Jahre

Darst.: Genet Gebru, Kanchan Mala Shrestha, Aïcha El Fathi, Gunda Gutscher, Sheila Santos


Mit „Wise Women – Fünf Hebammen, Fünf Kulturen“ begibt sich Regisseurin Nicole Scherg auf eine bewegende Reise zu fünf Hebammen in Äthiopien, Nepal, Brasilien, Marokko, Österreich und Brasilien. Unter sehr unterschiedlichen kulturellen, sozialen und medizinischen Bedingungen begleiten sie Frauen durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett – und verbinden dabei traditionelles Wissen mit modernen Formen der Geburtshilfe. Geburt ist ein universelles Erlebnis – und zugleich tief in den jeweiligen kulturellen und gesellschaftlichen Vorstellungen verwurzelt. Die Dokumentation eröffnet einen unmittelbaren Einblick in die Lebenswelten der Hebammen und der Familien, denen sie begegnen. Dabei wird sichtbar, wie unterschiedlich Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit einem Neugeborenen weltweit verstanden und gelebt werden – geprägt von Ritualen, religiösen Überzeugungen, familiären Strukturen und den jeweiligen Gesundheitssystemen. Die porträtierten Frauen schaffen Vertrauen, geben Orientierung und vermitteln Sicherheit in einem Moment, der das Leben von Familien nachhaltig verändert. Gleichzeitig bewegen sie sich im Spannungsfeld zwischen überlieferten Traditionen, gesellschaftlichen Erwartungen und den Anforderungen einer modernen Gesundheitsversorgung – oft unter schwierigen Bedingungen und mit begrenzten Ressourcen. Persönliche Begegnungen, eindrucksvolle Bilder und intime Einblicke erzählen von Mut, Erfahrung und Empathie. So entsteht ein berührendes Porträt eines Berufs, der weltweit eine unverzichtbare Rolle spielt und dessen Bedeutung weit über den Kreißsaal hinausreicht.

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So klingt das Leben

Drama

 

Regie: Daniel Sánchez Arévalo

Land: Spanien 2025

Länge: 113 Min.

FSK: 12 Jahre

Darst.: Javier Gutiérrez, María Vázquez, Judith Fernández u.a.

 

Zwei Jahre nach einem tragischen Schiffsunglück kämpft das kleine Fischerdorf A Guarda an der galicischen Küste noch immer mit den Folgen des Verlusts. Viele Familien haben Angehörige verloren, die Wunden sind längst nicht verheilt und die Gemeinschaft versucht weiterhin, ihren Weg zurück in den Alltag zu finden.

Als die Dorfbewohner beschließen, ihr traditionsreiches Musikensemble wiederzubeleben, eröffnet sich eine neue Chance auf Zusammenhalt. Die Leitung übernimmt die 18-jährige Andrea (Judith Fernández), in Erinnerung an ihren Vater, der bei der Katastrophe auch ums Leben kam. Mit Mut und Leidenschaft bringt Andrea frischen Wind in die Proben und verbindet traditionelle Klänge mit modernen Songs. Schritt für Schritt gelingt es ihr, neue Hoffnung zu wecken und die Menschen wieder zusammenzubringen. Doch der Weg zurück zur Normalität ist von Konflikten geprägt. Die Verluste der Vergangenheit wirken nach: Trauer, Schuldgefühle und Zweifel belasten die Gemeinschaft weiterhin. Während sich das Ensemble auf einen regionalen Wettbewerb vorbereitet, brechen alte Wunden auf und neue Herausforderungen treten zutage. Vor der eindrucksvollen Kulisse Galiciens erzählt Regisseur und Drehbuchautor Daniel Sánchez Arévalo eine bewegende Geschichte über Verlust, Versöhnung und die Kraft des Miteinanders. Mit viel Herz und feinem Humor entwickelt sich „Viva La Vida – So klingt das Leben“ zu einem berührenden Feelgood-Movie. Der mitreißende Soundtrack unterstreicht, wie Musik Menschen verbinden, Trost spenden und neue Perspektiven eröffnen kann.



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    Insekten - Helden im Verborgenen

    Naturdokumentation ab 3.09. bei uns im Programm

     

    Regie: Nepomuk Pfaff

    Land: Deutschland 2026

    Länge: 88 Min.

    FSK: o.A.

    Erzählt von: Katharina Thalbach

     

    Mit „Insekten – Helden im Verborgenen“ eröffnet Nepomuk Pfaff einen faszinierenden Blick auf eine Welt, die unserem Auge meist verborgen bleibt. In eindrucksvollen Bildern erzählt die Naturdokumentation von der erstaunlichen Vielfalt und der unverzichtbaren Rolle der Insekten in unseren Ökosystemen. Eine Hommage an die kleinen Helden, ohne die das Leben, wie wir es kennen, nicht möglich wäre. Mit „Insekten – Helden im Verborgenen“ widmet sich Naturfilmer Nepomuk Pfaff einer Tiergruppe, die oft übersehen wird und doch zu den wichtigsten Bausteinen unserer Ökosysteme zählt. Die von Katharina Thalbach einfühlsam erzählte Dokumentation führt in Wiesen, Wälder, Moore und Gärten und eröffnet mit spektakulären Makroaufnahmen einen faszinierenden Einblick in die verborgene Vielfalt der Insektenwelt. Sie zeigt ihre erstaunlichen Anpassungsstrategien, ihren Überlebenskampf und das komplexe Zusammenspiel mit Pflanzen und anderen Tieren. Dabei wird deutlich, welche zentrale Rolle Insekten als Bestäuber, Zersetzer und Nahrungsquelle spielen. Zugleich beleuchtet der Film die Folgen von Lebensraumverlust, intensiver Landwirtschaft, Pestiziden und Klimawandel. Ohne erhobenen Zeigefinger macht die Dokumentation sichtbar, wie eng das Schicksal der Insekten mit unserem eigenen verbunden ist. Eindrucksvolle Naturbilder, wissenschaftliche Erkenntnisse und Katharina Thalbachs markante Erzählstimme verbinden sich zu einem eindringlichen Plädoyer für den Erhalt der biologischen Vielfalt.

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    Bergers / Hirten

    Tragikomödie /

     

    Regie: Sophie Deraspe

    Land: Kanada 2025

    Länge: 113 Min.

    FSK: 12 Jahre

    Darst.: Félix-Antoine Duval, Solène Rigot, Guilaine Londez, Michel Benizri, David Ayala, Véronique Ruggia Sa


    Ein junger Werbetexter aus Montreal meldet sich als Hilfshirte in der Provence. Dort angekommen muss er jedoch feststellen, dass das Leben in den Bergen, umgeben von 800 Schafen und dem einen oder anderen Wolf, deutlich anstrengender ist, als er es sich vorgestellt hat. Eine romantische Aussteigergeschichte zwischen Realismus und Idyll.
    Nach einem stressbedingten Zusammenbruch lässt der Werbetexter Mathyas (Félix-Antoine Duval) aus Montréal sein bisheriges Leben hinter sich, um völlig neu zu beginnen: als Schafhirte in der Provence. Zwar hat er davon keine Ahnung, und die ersten Erfahrungen sind ernüchternd. Doch dann trifft Mathyas auf Élise (Solène Rigot), die kurz entschlossen ihren Job in der Stadtverwaltung gekündigt hat und Mathyas`Suche eine neue Richtung gibt. An den Begegnungen und bestandenen Prüfungen in den Bergen gewachsen, erschaffen sie sich ein neues Leben. Erfüllt sich der Traum vom naturnahen, bodenständigen Leben am Ende doch? Der Film ist inspiriert vom Roman „D’où viens-tu, berger?“ („Wo kommst du her, Hirte?“) von Mathyas Lefebure und gewann beim Toronto International Film Festival 2024 den Preis für den Besten kanadischen Film. 

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      The Piano Tuner

      Thriller


      Regie: Daniel Roher

      Land: Kanada/USA 2026

      Länge: 109 Min

      FSK: 12 Jahre

      Darst.: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Havana Rose Liu


      Für den Klavierstimmer Niki ist sein Gehör Fluch und Segen zugleich. Er leidet unter Hyperakusis, einer krankhaften Geräuschüberempfindlichkeit. Seine vielversprechende Karriere als Konzertpianist musste er deshalb aufgeben. Nun fährt er gemeinsam mit seinem schon etwas vergesslichen Mentor Harry, dargestellt von Dustin Hoffman, jeden Tag durch New York und macht seinen Job.

      Ein Job, der den sonst eher stillen Niki dazu zwingt, mit Menschen zu interagieren. Unter anderem mit der angehenden Komponistin Ruthie, zu der er sich sofort hingezogen fühlt. Als jedoch zwielichtige Gestalten erkennen, dass sein feines Gehör auch für das Öffnen von Safes nützlich ist, nehmen die Ereignisse eine gefährliche Wendung. Weil Harry nach einem Herzinfarkt die Krankenhauskosten nicht bezahlen kann, lässt Niki sich auf einen Pakt mit dem korrupten Boss einer Sicherheitsfirma ein, der sein Insiderwissen für Raubüberfälle nutzt. Dies verstrickt ihn in immer gefährlicher werdende Situationen und sein Leben gerät schließlich komplett außer Kontrolle. Der Film bietet nicht nur ein spektakuläres Soundspektrum, sondern ist insgesamt musikalisch durchdrungen und auf komplexe Weise vielstimmig: Er beginnt als liebenswert-amüsante Buddy-Komödie über den Arbeitsalltag und die Ersatzfamilienverbundenheit von Harry und Niki. Romantische Töne mischen sich darunter, als Niki die Studentin Ruthie an ihrem Instrument mit seinem absoluten Gehör beeindruckt. Schließlich wandelt sich das Werk zum Thriller, und zwar so fließend, wie ein virtuoser Musiker die Tonlagen wechselt. Der britische Schauspieler Leo Woodall hält dabei eine feine Balance zwischen jungenhaftem Charme, charismatischer Präsenz und fragiler Verletzlichkeit.


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      Hallo Betty

      Komödie

       

      Regie: Pierre Monnard

      Land: Schweiz 2025

      Länge: 110 Min

      FSK: keine Angabe

      Darst.: Sarah Spale, Martin Visher, Rabea Egg

       

      Reihe: Starke Frauen

       

      1956 erfindet die eher etwas zurückhaltende Werbetexterin Emmi Creola im Rahmen einer Kampagne für Speiseöl die Kunstfigur Betty Bossi. Dazu kreiert sie ein als Zeitung getarntes Werbeblättchen, in dem eine Frau für Frauen schreibt, mit Rezepttipps für Mahlzeiten, die sich mit Arbeit, Haushalt und Familienleben unter einen Hut bringen lassen. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten schlägt das Konzept ein wie eine Bombe und Betty Bossi wird zur „Köchin der Nation“.

      Die Schweiz liebt Betty - und verlangt bald ein echtes Gesicht. Emmi schlüpft widerwillig in die Rolle ihrer eigenen Erfindung und wird selbst zur gefeierten Koch-Ikone. Doch der Erfolg fordert seinen Preis: In einer von Männern dominierten Branche muss sie sich behaupten, während sie zugleich versucht, den Erwartungen als Ehefrau und Mutter gerecht zu werden. Emmi wird so immer mehr aufgerieben zwischen Beruf und Familie und muss aus dem Dilemma ihren ganz eigenen Ausweg finden. Und hier noch das Rezept: Man nehme eine märchenhafte, aber wahre Geschichte über eine Frau, die sich mit Charme und Cleverness als Hausfrau und Mutter in einer toxischen Männerwelt selbstbewusst durchsetzt. Für die Geling-Garantie sorgt eine leinwandpräsente Sarah Spale, die ihrer Figur die richtige Mischung aus Selbstbewusstsein und Zweifeln, aus Frustration und Euphorie verleiht. Serviert wird die amüsante Emanzipationsgeschichte mit nostalgischem Retro-Charme der 50er Jahre. Wir wünschen frohen Filmkunstgenuss!


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      Das Sommerbuch

      Literaturverfilmung

       

      Regie: Charlie McDowell

      Land: Finnland/USA/GB 2024

      Länge: 95 Min

      FSK: 10 Jahre

      Darst.: Glenn Close, Anders Danielsen Lie, Emily Matthews

       

      Reihe: Starke Frauen

       

      Die sechsjährige Sophia verbringt den Sommer mit ihrem Vater und der Oma auf einer abgelegenen Insel im Finnischen Meerbusen. Sophias Vater ist seit dem Tod der Mutter schweigsam geworden und hat sich in seiner Arbeit als Illustrator vergraben. Seine sensible Tochter fühlt sich schuldig, unverstanden und vernachlässigt. Eine kluge Oma freilich weiß, wie man geschickt vermitteln und die Enkelin auf andere Gedanken bringen kann. Sophia unternimmt viel mit ihrer rüstigen Großmutter, die an manchen Tagen, wenn ihr die Enkelin etwas zu anstrengend wird, nach draußen flüchtet und raucht. Gemeinsam streifen sie durch die Natur, machen mit dem Boot einen Ausflug zu einer Nachbarinsel, sie besuchen einen verlassen Leuchtturm oder kümmern sich um ein streunendes Kätzchen. In „Das Sommerbuch“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Tove Jansson, geht es um Trauer – und wie man über sie hinwegkommt -, um das Altern und um die mitunter komplizierte Beziehung zwischen den Generationen. Der Film buchstabiert diese Themen jedoch nicht bis ins Letzte aus, sondern vertraut auf die Ausdruckskraft der Darsteller*innen und die Schönheit der in goldgelbes Licht getauchten sommerlichen Natur. Diese Bilder bieten zugleich noch einem weiteren Thema eine große Bühne – die Geschichte der viel zu kurzen Zeit, die uns mit den Menschen, die wir lieben bemessen ist.


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      Der Klang von Neuschwanstein

      Dokumentation

       

      Regie: Andreas Morell

      Land: Deutschland 2026

      Länge: 107 Min

      FSK: keine Angabe

       

      Reihe: Musikfilm

       

      Der Film ist eine poetische Musikdokumentation, welche das weltberühmte Schloss Neuschwanstein als einzigartige Symbiose von Mythos, Architektur und Musik neu entdeckt. Ausgehend von der unstillbaren Leidenschaft König Ludwigs II., der das Schloss als klingende Bühne für die Werke Richard Wagners erträumte, erzählt er von einem Ort zwischen Sehnsucht und harten Fakten.

      In einer konsequenten Abfolge aus eindrucksvollen Bildern, historischen Rückblicken und hochkarätigen Konzertaufnahmen verfolgt die Dokumentation die Wiederbelebung Neuschwansteins als einzigartigen Aufführungsort. Dabei entsteht ein vielschichtiges Porträt: von einem König, der zwischen Pflicht und Fantasie zerrissen war, von einem Schloss, das lange stumm blieb, und von einer Gegenwart, in der die musikalische Vision endlich berauschende Realität wird. Interviews mit Künstler:innen, Historiker:innen und anderen Beteiligten ergänzen die Inszenierung und eröffnen neue Perspektiven auf Neuschwanstein als lebendigen Kulturort. Der Film verbindet auf einzigartige Weise Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit und macht hör- und erlebbar, wie Musik einen Ort und seine Geschichte neu zum Leben erwecken kann.


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      Sechswochenamt

      Drama


      Regie: Jacqueline Jansen

      Land: Deutschland 2025

      Länge: 98 Min

      FSK: 6 Jahre

      Darst.: Magdalena Laubisch, Gerta Gormanns, Lola Klamroth


      Ein letzter Atemzug, dann ist die Mutter tot. Ganz allmählich dringt ins Bewusstsein der 25-jährigen Lore, was nach dem Unfassbaren nun alles ansteht. Nahezu zeitgleich gerät auch die Außenwelt aus den Fugen. Die Corona-Pandemie bricht aus, und ein Nebel aus Isolation und Einsamkeit legt sich über ihre rheinische Heimatstadt, in der die Menschen zu empathielosen Einzelkämpfern verkommen. In der katholischen Tradition markiert das Sechswochenamt (eine Messe zum Gedenken an den/die Verstorbene/n) das Ende der ersten Trauerphase. In dieser Zeitspanne ackert sich Lore im heimischen Erkelenz stoisch durch all die ungewohnten Anforderungen: die der Bürokratie, die der Familie und die der Nachbar*innen. Sie schafft es sogar, den letzten Wunsch der Verstorbenen zu erfüllen, ihrer durchgängig abwesenden Schwester zum Trotz. All das stemmt Lore mit bewundernswerter Kraft, weil ihr gar nichts anderes übrig bleibt als zu funktionieren. Sechs Wochen Ausnahmezustand, in denen sie auch lernt ihre Trauer zuzulassen, um nicht von ihr aufgefressen zu werden. Jacqueline Jansen arbeitet mit LaienSchauspieler*innen aus der Region, beschränkt sich in schnörkellosen Bildern auf das Wesentliche und erreicht damit eine dokumentarisch anmutende Wahrhaftigkeit. Man weiß hier genau was »normal« ist und »watt sisch jehööt«. Lore stemmt sich gegen diese Konventionen und findet darin ihren Weg, Abschied zu nehmen, auch von der eigenen Kindheit. 

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      Lebensansichten eines Huhns

      Drama

      Regie: György Pálfi

      Land: Deutschland, Griechenland, Ungarn 2025

      Länge: 96 Min.

      FSK: 12 Jahre

      Darst.: Yannis Kokiasmenos, Maria Diakopanayotou, Argyris Pandazaras, Machmout Bamerni

       

      "Lebensansichten eines Huhns" ist ein preisgekrönter Arthouse-Film von György Pálfi, der die komplexe Koexistenz von Mensch und Tier humorvoll und präzise erzählt, indem er die emanzipierte Autobiographie eines Huhns mit einer Reflexion über menschliche Existenz verbindet. Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn? Für die Bewohner eines griechischen Hühnerhofs bleibt für solche Überlegungen keine Zeit. Kaum geschlüpft, beginnt ein Kreislauf aus Funktionalität und Verwertung. Genau hier setzt der Film an und entwickelt daraus eine ebenso poetische wie existenzielle Erzählung. Im Zentrum steht ein schwarz gefiedertes, ungewöhnlich kluges Huhn, das sich diesem Kreislauf entzieht. Es entkommt der Legebatterie und begibt sich auf eine Reise, die weniger als klassische Flucht, sondern vielmehr als Selbstfindungsprozess funktioniert. Über Umwege und Zufälle landet es schließlich im Hinterhof eines heruntergekommenen Restaurants, einem Ort, der selbst vom täglichen Kampf ums Überleben geprägt ist. In dieser Umgebung behauptet sich die Protagonistin, setzt sich gegen Rivalen durch, navigiert durch die Hackordnung der Menschen und entwickelt einen eigenen Handlungsspielraum. Ihr Wunsch nach einem sicheren Brutplatz wird dabei zum emotionalen Anker der Geschichte. Durch die Perspektive des Huhns werden gesellschaftliche Strukturen sichtbar gemacht, ohne sie direkt zu kommentieren. Der Film zeigt einmal mehr, dass die Koexistenz von Mensch und Tier keineswegs ein harmonisches Gleichgewicht, sondern ein fragiles, oft widersprüchliches System ist.


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